VorRisse

Die Shoppingvorlieben der Mitarbeiter des 3. Nationalratspräsidenten Martin Graf wurden ja, ganz passend, zwischen den Jahren, in der ersten Geschenkumtauschphase publik gemacht; das Schweigen dazu nennen unsere InterviewpartnerInnen in den Einrissen als jüngstes Beispiel für die weitest gehende Akzeptanz rechtsradikaler Provokationen, gepaart mit der Übernahme rechtsradikaler Politik durch die Parlamentsparteien.

Ende Januar 2009 kommen also die vorliegenden Kulturrisse als Ausgabe 04/08 daher. Ein Gruß aus der Vergangenheit? Nein, es handelt sich schlicht und einfach um eine Kollision unseres Wunsches, das Heft im Dezember zu drucken, mit dem Wunsch der Druckerei, ganz viele Kalender für 2009 zu drucken.

Sei´s drum, die Verzögerung gab uns die Gelegenheit, das Heft noch hie und da um neue, aktuelle Beiträge (etwa das Gespräch von Akademiestudierenden zum „Engagement“ der ERSTE Bank an Bildungseinrichtungen) und Einsprengsel aus der Tagespolitik zu erweitern. Die Shoppingvorlieben der Mitarbeiter des 3. Nationalratspräsidenten Martin Graf wurden ja, ganz passend, zwischen den Jahren, in der ersten Geschenkumtauschphase publik gemacht; das Schweigen dazu nennen unsere InterviewpartnerInnen in den Einrissen als jüngstes Beispiel für die weitest gehende Akzeptanz rechtsradikaler Provokationen, gepaart mit der Übernahme rechtsradikaler Politik durch die Parlamentsparteien. Wir haben dieses Interview mit Antifas der jüngeren Generation geführt, nach dem Attentat von Neonazis auf den Passauer Polizeipräsidenten, und im Nachhall der Wahlergebnisse vom vergangenen Herbst.

In den Schwerpunkttexten der Oppositionen sind ein weiteres Mal Texte zusammengefasst, die sich der Fragestellung linker alternativer Politiken widmen. Eindeutiger noch als die Texte der Linkskurven-Ausgabe geht es dabei um mögliche Verortungen linker Politiken innerhalb des etablierten parlamentarischen Systems. Oder eben nicht. Ersteres hat Michael Pröbsting, mit dem Monika Mokre für diese Ausgabe gesprochen hat, als Teil des Wahlbündnisses Linke bei den letzten Nationalratswahlen versucht. Trotz des klaren Misserfolgs das Wahlergebnis betreffend hätten sich allein durch das Antreten Handlungsräume eröffnet. Die gemachte Erfahrung einer Verbreiterung der Basis könnte nun, angesichts der Finanzmarktkrise, von der Linken genutzt werden.

Für Heinz Steinert hingegen managt sich jede Krise des Kapitalismus selbst und wartet nicht auf linke Korrekturen. Die „radikale Strategie von ‚Revolutionierung’ der Gesellschaft“ bestehe demnach nicht in staatlicher Politik, sondern in der Entwicklung von autarken Formen alternativen Lebens und Wirtschaftens. Bestehende und mögliche Verkettungspraxen – dargestellt am Beispiel des Euromayday – beschreiben Clemens Apprich und Magdalena Freudenschuß und kommen zu dem Schluss: Linke Politik soll „nicht vor einer parlamentarischen Repräsentation zurückschrecken“. „Linksparteienberührungen“ scheut auch Birge Krondorfer nicht (mehr). Jenseits von „neuen, alten und sonstigen Feminismen“ sei es aber für feministische Politiken von grundlegender Bedeutung, die männliche Dominanz in linken Organisationen aufzubrechen. Chancen für linke – feministische – Bündnisse sieht sie hierbei eher auf europäischer Ebene. Was sind die Grundbedingungen für ein „linkes, für ein links-feministisches Projekt?“ fragt Birgit Sauer und konstatiert, dass es „kein feministisches Außen“ zum patriarchalen, kapitalistischen und ethnozentristischen Staat gäbe. Ein feministisches Projekt müsse demnach in die Staatsmacht intervenieren.

Ob Innen oder Außen: Wir wünschen uns für 2009 – mit Karl Marx und Birge Krondorfer – ein Stück „wirklicher Bewegung“ für linke Praxen, Alternativen, Ideen, Bündnisse, Projekte ... 

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