Update zur EU-Kulturpolitik

Zwischen dem 28. und dem 30. September 2009 wurden im Flagey in Brüssel zum zweiten Mal die Culture in Motion – Konferenz und das Kulturforum abgehalten.

Culture in Motion

Zwischen dem 28. und dem 30. September 2009 wurden im Flagey in Brüssel zum zweiten Mal die Culture in Motion – Konferenz und das Kulturforum abgehalten.

Culture in Motion
Auf der Culture in Motion – Konferenz ließ die Europäische Kommission Projekte präsentieren, die im Rahmen des Kulturförderprogramms durchgeführt wurden. ProjektträgerInnen, Cultural Contact Points, Ministerien und anderen Beteiligte wurde dabei die Möglichkeit geboten, Erfahrungen auszutauschen und zu diskutieren. Zur Eröffnung hielt Odile Quintin, Generaldirektorin für Bildung und Kultur, eine kurze Rede, danach präsentierten vier ausgewählte ProjektträgerInnen ihre Projekte und diskutierten im Plenum. Die Kommission in Person von Vladimír Šucha brachte ihr Interesse am Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft zum Ausdruck und erklärte ihr Bemühen, Möglichkeiten zu finden, kleinere Geldmengen im Rahmen des EU Kulturförderprogramms zu verteilen. In vier parallel laufenden Workshops wurden anschließend Projekte aus den Bereichen Performing arts, Visual arts, Cultural heritage und Literature and translation präsentiert. Im Workshop zu den darstellenden Künsten wurden über das Problem der Dissemination, v. a. über den schwierigen Zugang zu JournalistInnen, diskutiert und Lösungsvorschläge wie beispielsweise Reisekostenübernahme für JournalistInnen vorgebracht. Am Nachmittag präsentierten sich Projekte in Flash Project Sessions im 15 Minuten Takt.

Kulturforum
Der erste Tag des Kulturforums wurde von Jan Figel`, Lena Adelsohn Liljeroth und Doris Pack eröffnet. Danach widmete sich die Morgensession ganz der kulturellen Vielfalt und dem interkulturellen Dialog. Nach einer ersten Gesprächsrunde zwischen Odile Quintin, Hans-Gert Pöttering und Jordi Savall wurden drei parallele Workshops abgehalten. Workshop A drehte sich um die Mobilität von KünstlerInnen und anderen Kulturschaffenden, in B wurde über Aus- und Weiterbildung diskutiert, C handelte vom Zugang zu Kultur, Teilhabe und Jugend. Mercedes Giovinazzo (Geschäftsführerin von Interarts und Vorsitzende der Plattform Access to Culture) sprach in Workshop C über aktive Bürgerschaft und darüber, wie der Zugang zu Kultur und Bürgerschaft fundamental miteinander verbunden sind. Sie hält Zugang und Teilhabe für die beiden Seiten einer Medaille. Außerdem sprach sie über die neuen Zugangsmöglichkeiten angesichts des „digital shifts“. Michael Wimmer (educult) stellte in der Diskussion die Frage, ob hier von Zugang zu Kultur, zu kulturellen Institutionen oder zum kulturellen Konsum die Rede ist. Christ Torch kritisierte aus dem Publikum, dass bislang nicht über den Zugang von MigrantInnen zu Kultur und über die Vernachlässigung nicht-dominanter Kulturen gesprochen wurde. Gleichzeitig zu den Workshops und den Plenumssitzungen fanden so genannte Flash Info Sessions statt. Dort wurden während jeweils einer halben Stunde sehr konkrete Themen wie Mobilising and broadening the debate – civil society networks and online tools verhandelt.

Der Nachmittag drehte sich ganz um Kultur als Katalysator für Kreativität und Innovation, es wurden Workshops zu European creativity strategy?, Industrial or cultural policy for cultural and other creative industies? und Culture and regional development abgehalten. In den Flash Sessions wurden u. a. die Plattformen Access to Culture und Intercultural Europe präsentiert.

Der zweite Tag des Kulturforums fokussierte auf Kultur als vitales Element der Außenbeziehungen. An der Paneldiskussion nahmen Helga Trüpel, Stefano Manservisi und Finn Andersen teil. Letzterer machte auf die Notwendigkeit aufmerksam, Entwicklungsprogramme mit Kultur zu koppeln; Helga Trüpel sprach vom Konzept der Reziprozität, um mit kultureller Vielfalt umzugehen, und Stefano Manservisi möchte die UNESCO Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in nachhaltigen nationalen Politiken verankert sehen. In der Flash Session der ExpertInnengruppe für Mobilität von KünstlerInnen und Kulturschaffenden wurde daran erinnert, dass es immer um eine „incoming“ und „outcoming“ Mobilität geht. Es wurde die Idee hervorgebracht, „Contact Points of Mobility“ in den Mitgliedstaaten zu verankern. Die Untergruppe Hindernissekonnte berichten, dass auf der nächsten Sitzung der Arbeitsgruppe die Studie zur Visumsproblematik besprochen wird. Im Workshop zu den (potenziellen) Beitrittskandidatenländern und zur europäischen Nachbarschaft wurde lange diskutiert, wie weit unten Kultur auf der Prioritätenliste der Entwicklungshilfe steht.

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