Studie Bildende Kunst

Studie der IG Kultur über "Fördersummen Stadt/Land/Bund – „etablierte Institutionen“ und „freie Szene“ im Bereich Bildende Kunst im Vergleich"

Studie der IG Kultur über "Fördersummen Stadt/Land/Bund – „etablierte Institutionen“ und „freie Szene“ im Bereich Bildende Kunst im Vergleich"

Studie der Arbeitsgemeinschaft
Messner – Rosegger:

„Fördersummen von Stadt / Land / Bund –
„etablierte“ Institutionen und „freie Szene“ im Vergleich“

Bericht zur Präsentation bei der Landeskulturkonferenz der IG Kultur, 8.11.2006.

A) Quantitativer Vergleich:
Die Subventionssituation für künstlerische Initiativen (betreffend Bildende Kunst, einschließlich „cross over“/ spartenübergreifenden Projekten und Neue Medien) in der Steiermark wurden in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt.
Ausgehend von den Kunst- und Kulturberichten von Bund, Land Steiermark und Stadt Graz wurden von 58 Initiativen und Institutionen (wobei die Abteilungen des Landesmuseums Joanneum als eine Institution gezählt werden) die Fördersummen im Zeitraum zwischen 1994 und 2004 erhoben. Die Zahlen für 2005 sind gegenwärtig seitens Land und Stadt noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben, werden jedoch bis Ende November in die Studie eingearbeitet.
Noch ausständig sind die Zahlen Landesmuseum Joanneum inkl. Kunsthaus seitens des Landes komplett und die Zahlen Stadtmuseum Graz, Kulturhaus Graz und Atelierhaus seitens der Stadt vor dem Jahr 2000. Wir sind zuversichtlich, diese Daten bis Ende November zu erhalten.

Ausgangsbasis waren anhand der Kunst- und Kulturberichte 1994-2004 (einschließlich diverser Akten des Kulturamtes der Stadt Graz) nicht Gesamtkulturbudgets, sondern die direkten Zahlungen an die Initiativen, Vereine, Vereinigungen und Institutionen. Die Definition dieser einzelnen, von uns gewählten Kategorien ist ein wesentlicher Punkt, der in die Gesamtbeurteilung einfließen wird.
Die Gesamtbudgets konnten deshalb nicht verglichen werden, weil eine Vergleichbarkeit durch fehlende übereinstimmende Kriterien nach LIKUS, vor allem bezüglich der Daten der 90er Jahre, nicht möglich ist.
Ein Vergleich der realen Förderungen der Initiativen machte es unerlässlich, von diesen ausgehend, die unterschiedlichen Summen aus diversen Kategorien der FördergeberInnen Stadt, Land und Bund herauszusuchen und eigenständig zu summieren. (Die Zuteilung zu Kategorien erfolgte nicht nur von FördergeberIn zu FördergeberIn unterschiedlich, sondern divergierte auch mit den Jahren. So ist z.B. in den Berichen eine Initiative bei der Stadt unter Medien, beim Land unter Bildende Kunst, eventuell aufgespaltet in Jahresförderung und Projektförderung und beim Bund unter „Innovative Projekte“ zu finden.)

Die 58 Initiativen, die herausgefiltert wurden, sind jene, die einerseits kontinuierlich Subventionen von einem bis zu allen drei FördergeberInnen erhielten und andererseits ihre inhaltliche Ausrichtung entweder hauptsächlich auf den Bereich bildende Kunst und/oder Medienkunst richten oder –als Spartenübergreifendes Haus- einen großen Teil bildende Kunst/Medienkunst beinhalten. Kulturzentren und –vereine, die sich zu einem großen Teil mit den Sparten Musik und/oder Theater identifizieren, sind daher nicht berücksichtigt.

Diese 58 Initiativen wurden für die Präsentation anhand der folgenden Kategorien /Kriterien, die ebenfalls breit und differenziert von uns in der Studie erklärt werden, quantitativ ausgewertet und sowohl in Gesamtsummen als auch detailliert für Land, Bund und Stadt dargestellt:

IG-Mitglied ja/nein
Institution ja/nein (Institutionen eng definiert als Trägerschaft Land Steiermark oder Stadt Graz)
Fördervertrag Stadt/Land ja / nein

Bei den dargestellten Summen ist zu berücksichtigen:
Die Förderungen bezüglich der Institutionen erfolgen durch die Finanzressorts von Stadt und Land, die Förderungen bezüglich der Initiativen über die Kulturressorts.
In den Förderungen der Institutionen sind Infrastrukturkosten wie Mieten und Personalkosten generell enthalten. In den Förderungen der Initiativen sind Infrastrukturleistungen nur in Ausnahmefällen, bei den größeren Kulturzentren oder durch einmalige Sonderfinanzierungen enthalten. Es handelt sich mehrheitlich um Projektgelder.

Ergebnisse anhand der vorliegenden Rohdaten:

Kulturhauptstadt 2003: Grundsätzlich zeigen die Daten im Vergleich zu den restlichen Förderungen überdimensionale Investitionen aller drei FördergeberInnen für die Kulturhauptstadt 2003, die sich in den Kulturberichten in verschiedenen Jahren auswirken, hauptsächlich in den Jahren 2001 bis 2003.
Während diese Investitionen beim Bund punktuell erfolgten, zeigen sich bei Land und Stadt nachhaltige Folgekosten, hauptsächlich durch die Kosten des Kunsthauses und des Kindermuseums verursacht.

Vergleiche Institutionen – diverse Initiativen – Initiativen, die IG Mitglieder sind:
Während die Förderungen der Institutionen seit 2001 sehr steil gestiegen sind, fallen die Steigerungen der naturgemäß geringer finanzierten Initiativen um vieles geringer aus. Diese sind jedoch seit den 90er Jahren bis 2004 kontinuierlich gestiegen, was zu einem großen Teil auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass viele Initiativen Ende der 90er Jahre gegründet wurden, es also derzeit viel mehr Initiativen gibt als vor 10 Jahren. Die IG Mitglieder sind am untersten Bereich finanziell angesiedelt, die Steigerungen dieser Gruppesind bis 2004 am geringsten.
Die Spitzen in den Förderungen bei den Vereinen und Vereinigungen sind durch Steigerungen bei einzelnen Initiativen zurückzuführen. In der Kategorie „sonstige Vereinigungen“ ist z.B. der Steirische Herbst, der zwar keinen Fördervertrag aber eine gesicherte Förderung besitzt, enthalten. Beim Land Steiermark wird die Steigerung der nicht-institutionellen Vereinigungen auch durch die einmalige Förderung an Herberstein bezüglich des Gironcoli-Museums in der Höhe von 1 Mio im Jahr 2004 verursacht.

Grundsätzlich kann zusammengefasst werden, dass die kleinen und mittleren Kunst- und Kulturvereine und Vereinigungen eine kontinuierlich leichte Steigerung bis zum Jahr 2004 aufweisen, die im Verhältnis zu anderen Investitionen jedoch nicht relevant erscheinen. Die Zahlen für 2005 sind seitens der öffentlichen FördergeberInnen zwar noch nicht freigegeben und die Zahlen 2006 sind noch nicht abgeschlossen, jedoch kann bereits veröffentlicht werden, dass die Budgets in diesen Jahren annähernd gleichgeblieben sind. Der große Einschnitt mit Kürzungs-Ankündigungen seitens des Landes von bis zu 40 % und seitens der Stadt von ca. 5-10 % steht ab 2007 bevor.

Allein die Stadt Graz soll bis 2009 18 % in allen Ressorts kürzen, d.h. je 6 % in den nächsten drei Jahren. Dies betrifft die kleinen Initiativen ganz besonders. Im Zuge der letzten Evaluierungen wurden bei den FördervertragsnehmerInnen Kürzungen zwischen 0 und 10 % publiziert. Hinzu kommt jedoch die generelle Kürzung von 10 % im „freien Projektbereich“, d.h. die Budgettöpfe für alle, die jährlich um Jahres- oder Projektförderungen ansuchen und die generell schon relativ klein gehalten sind, verringern sich weiter und ungeachtet der Qualität, Inhalte und Ressourcen, Möglichkeiten der Projekte.

B) Qualitative Gespräche:

Zusätzlich zu den quantitativen Auswertungen wurden 13 Initiativen ausgewählt, die über eine stetige Förderung verfügen und die sich im Durchschnitt als aussagekräfig erweisen können. Mit diesen Initiativen wurden Gespräche von ca. 1 Stunde geführt.
Den Kunstinitiativen sollte so in Zeiten der „Evaluierungen von außen“ eine „Stimme“ verliehen werden. Sie sollten selbst, die Problemstellen und Schwachpunkte des Fördersystems darstellen können und ihre Wünsche und Visionen artikulieren.

Erste Ergebnisse:

Anhand der Gespräche mit den einzelnen Initiativen ist eine resignative Haltung seit dem Kulturhauptstadtjahr 2003 spürbar. KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen sind mit feinen „Antennen“ für zukünftige Entwicklungen ausgerichtet. Bisher konnten die Kulturbudgets nach 2003 einigermaßen stabil und gleichbleibend gehalten werden. Diese Situation ändert sich im Augenblick entscheidend.

Förderungen allgemein:
Die finanziellen und zeitlich-organisatorischen Aufwendungen für die Initiativen werden größer, z.B. bezüglich der verschärften Abrechnungsmodalitäten der FördergeberInnen, gleichzeitig werden die „Spielräume“ jedoch enger gezogen.
Die Tendenz geht in Richtung Projektorientiertheit: Damit wird es vor allem für die mittleren und kleinen Initiativen schwieriger, Infrastrukturkosten wie Mieten und Personal abzudecken.
Einmal in eine finanzielle Kategorie eingestuft, ist es für die Initiativen kaum möglich, sich weiterzuentwickeln oder zu wachsen. Die Relationen zwischen Antragssummen und tatsächlichen Fördersummen bleiben relativ hoch, was zu Reduzierungen im künstlerischen Programm führt.
Die Prekärität der Arbeitsverhältnisse im Kunst- und Kulturbereich verschärfen sich, auch durch die Vorgaben der FördergeberInnen, immer mehr. Die Selbstausbeutung wird mehrheitlich als schlimm bezeichnet. Damit verbunden ist die fehlende Wertschätzung der künstlerischen Arbeit und der Akzeptanz als „Arbeit“, die nicht nur ideellen sondern auch finanziellen Wert besitzt, seitens der öffentlichen Stellen bzw. der Öffentlichkeit.
Die Initiativen fühlen sich großteils nicht ernst genommen, nicht genug wahrgenommen und wünschen sich aktive und in der Sache kompetente KulturpolitikerInnen, die aktiv Lobbying für die Kunst betreiben und sich der Wichtigkeit der Kunst für die Stadt Graz bewusst sind.
Mit den aktuellen Fachbeiratssystemen sind die Vereine und Vereinigungen eher zufrieden, auch aufgrund einer fehlenden Alternative. Die Trägheit dieses Systems wird jedoch beanstandet.
Evaluierungen von Zeit zu Zeit werden großteils befürwortet, jedoch nur dann, wenn sie auch von Kunst- und KulturkennerInnen und nicht nur von Wirtschaftsleuten durchgeführt würden und wenn diese Evaluierungen nicht mit einem so hohen Aufwand bzw. auf eine andere Art als bisher erfolgen.
Kritisiert wird, dass in den letzten Jahren ausschließlich die mittleren und kleineren Initiativen evaluiert worden seien und nicht die Institutionen. Des Weiteren würden Evaluierungen verstärkt nur mehr der Legitimierung von Kürzungen dienen.
An der Medienberichterstattung wird vor allem kritisiert, dass den kleineren und mittleren Kunstvereinen und –vereinigungen auf den Kulturseiten kaum Platz eingeräumt wird.
Von der qualitativen Berichterstattung ist man insofern eher enttäuscht, da es an tieferer inhaltlicher Auseinandersetzung und Kompetenzen fehle. Der „Eventcharakter“ stünde bei den Medien vor sachorientierten Berichten.
Die meisten glauben, dass die Medienberichterstattung eine direkte Einwirkung auf die FördergeberInnen, auf die Vergabe von Förderungen hat, was zu einem überwiegenden Teil kritisiert wird.
Keine befragte Initiative glaubt, dass die BesucherInnenzahlen einen Einfluss auf die Fördersummen haben, allerdings gibt es schon Bedenken, dass die Auslastung des Hauses als Kriterium miteinbezogen wird. Dies wird als problematisch gesehen.
Bezüglich Sponsoring sind die meisten Befragten der Meinung, zu klein und daher nicht relevant genug für die Wirtschaft zu sein. Auch wird eine Einmischung in inhaltliche Belange bzw. immense Gegenleistungen seitens der privaten SponsorInnen befürchtet.

Grundsätzlich fühlen sich gerade die mittleren und kleinen Initiativen mehrheitlich, als würden sie sukzessive „ausgehungert“: Zwischen immer stärkeren wirtschaftlichen Kriterien, zähfließenden Geldflüssen, anstehenden Budgetkürzungen und prekären Arbeitssituationen eingezwängt. Wobei es ihnen nicht immer nur um „mehr Geld“ für z.B. Vermittlungsarbeit, die die meisten als zentrales Tool für eine langfristige positive Veränderung der Situation der Kunst nennen, geht, sondern um Anerkennung, Wahrnehmung, inhaltliche Auseinandersetzung mit den künstlerischen Programmen und Wertschätzung seitens der für eine Fortführung der künstlerischen Produktion unerläßlichen FördergeberInnen.

Dass in heutigen Zeiten der Kunst und Kultur immer weniger „Mehrwert“ zugesprochen wird und Kunst- und Kultur als „Kostenfresser“ dargestellt werden, weil sie fälschlicherweise mit dem Maßstab der ökonomischen Logik gemessen werden, ist der Situation nicht gerade zuträglich. Kunst /künstlerische Aktivität muss gerade in Zeiten der Budgetkürzungen ihre Wichtigkeit für die Gesellschaft darstellen und deklarieren, nicht, um für wirtschaftliche Zwecke ausgenützt zu werden, sondern um als einer der letzten Bereiche, in dem jenseits der ökonomischen Logik alternative und kritische Modelle entwickelt und lebbar gemacht werden, zu verteidigen.

6.11.2006

Konzept, Inhalt und qualitative Gespräche: Maga Bettina Messner
Statistiken/ quantitative Auswertungen: Mag. Rainer Rosegger

 

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