Jour Fixe mit Waltraud Klasnic

Kulturförderung und Rahmenbedingungen für die freie Szene im Land Steiermark. Jour Fixe mit Waltraud Klasnic, Kulturreferentin und Landeshauptmann der Steiermark

Jour Fixe am 2. Juli 2004, Galerie Remixx, Graz

Kulturförderung und Rahmenbedingungen für die freie Szene im Land Steiermark
Jour Fixe mit Waltraud Klasnic, Kulturreferentin und Landeshauptmann der Steiermark

2. Juli 2004 um 16:00, Galerie Remixx, Bürgergasse 5, 8010 Graz

Kulturförderung und Rahmenbedingungen für die freie Szene im Land Steiermark

Einleitung Klasnic: Ergebnis der Evaluierungskommission wurde am 8. April 2003 übernommen und auch von den Grünen mitgetragen. Danach sei das Kulturbudget angestiegen, und zwar von 1,8 Mio. Euro 2003 auf 2,4 Mio. Euro 2004 (vorgesehen). Darin enthalten sind 400.000 Euro für Theaterland Steiermark und 700.000 Euro für Koproduktionen der „Großen“ mit der freien Szene. Auch die Marketing-Kooperationen käme der freien Szene mittels einer neuen Kulturzeitung zugute und außerdem durch die Initiative des Kulturförderungsgesetzes im Landtag unter Einbeziehung der Ergebnisse der Evaluierungskommission.. Weder KSG noch Cine Styria gingen zu Lasten des Kulturgesetzes.

ST:WUK kann als indirekte Kulturförderung angesehen werden, wenn es auch eine Arbeitsmarktförderung ist. Im Gegensatz zu den Bereichen Naturschutz und Wissenschaft, wo auch Lohnkosten durch das Land gefördert werden, kommt ST:WUK allerdings aus dem Land für Kulturarbeitsplätze kein Beitrag zu. Benötigt würden 100.000 Euro für Beschäftigungsmodelle. Klasnic will sich dieser Thematik annehmen.

Budgetprozentsatz für Kultur: Im Vergleich mit anderen Bundesländern ist der Anteil für Kultur im Gesamtbudget extrem gering (Steiermark: 1,7 %; Salzburg: 2,9 %). Ziel der IG Kultur Steiermark ist es, diesen Anteil zu erhöhen. Sonst besteht die Gefahr der Abwanderung der KünstlerInnen. Die Schwierigkeit liegt in der Produktion und nicht im Einkauf von Superstars. In anderen Ländern ist das Verhältnis der Förderungen Große:Kleine ein Drittel bis zwei Drittel. Oberösterreich hat 4 % vom Budget für Kultur. Laut Klasnic seien die 2 % vom Budget nicht alles, was in Kultur fließt. Es ginge auch relativ viel über die Gemeinden.

ORF-Kulturschilling: Wenn sich wie vorgesehen der Schlüssel zur Aufteilung des „ORF-Kulturschillings“ ändert, will Klasnic sich dafür einsetzen, dass dieses Geld der freien Szene zukommt. Der TV-Schilling ist nicht ausschließlich für Kultur gebunden, sondern setzt sich aktuell zusammen aus: 26 % für Bauvorhaben, 30 % für die freie Szene, 40 % sind nicht definiert. Jedenfalls komme dieses Geld nicht der Marketinggesellschaft zu. Die Regierung benötige auch einen Anteil um frei zu verfügen. Eine Bindung in Richtung freie Szene sei aber vorgesehen. (Rauch)

Jazzsommer: Hohe Summen des Landes werden für die Jazzsommerszene zur Verfügung gestellt statt die heimische Szene zu unterstützen. Im Programm Kleinschusters sei Einbindung der Jazzszene aus der Steiermark und der unmittelbaren Nachbarländer vorgesehen gewesen. Aber das Land Steiermark sollte sich besser beraten lassen: Kein Veranstalter wird Geld zurückweisen, das die Kulturpolitik ihm zuspielt, ohne die Gegenleistungen zu prüfen. Klasnic will mit Kleinschuster diesbezüglich ein Gespräch führen.

Kultursommer: Es sei bereits daran gedacht worden, einen Kultureuro als Eintritt zu verlangen, ebenso wie für Classics in the City. Das Problem etwa bei Classics sei, dass die dort gezeigten Filme nur für caritative Zwecke gratis zur Verfügung stünden. Aber Sponsoren wollen caritativ fördern. Eine Idee wäre, das Geld der IG zu übergeben für „Kulturelle Zwecke“. Dagegen verwehrt sich Petrowitsch: Die IG übernimmt solches Geld keinesfalls. „Die Verwaltung überlassen wir dem Land.“

Zweisprachige Homepage und Kulturzeitung: Idee wird von Klasnic aufgenommen.

Joanneum-Research-Studie zu Graz 2003/Wirtschaftlichkeit: Kultur nicht als Produktion sondern als Lebensbasis verstehen, als Humankapital. (Sievers) Um das Milieu zu fördern ist die Wirtschaft wichtig (Schrempf). 2003 hatte geistigen Breiteneffekt. Im Entwurf für das Landeskulturförderungsgesetz kämen Tourismus und Wirtschaft übrigens nicht vor (Rauch). Aber in Neumarkt am Sattel hat niemand was von 2003 und auch nicht von Herberstein/Gironcoli etc. (Sievers).

Kulturförderungsgesetz: Nach der Evaluierung erhält etwa das Werkraumtheater nach zehn Jahren Theateraufbauarbeit 2900 Euro Jahresförderung – was als beschämend empfunden wird. Evaluiert wurde aber nicht nach Summen, sondern nur, ob förderungswürdig oder nicht. Durch das Gesetz würden die mühsamen Wege zum Geld aufgehoben. Die Bewertung ist eine andere Sache. An der Diskussion im Herbst sollen sich möglichst viele beteiligen. Problematisch ist auch die Sechstelbewirtschaftung im Land und dadurch die späte Auszahlung vieler Förderungen.

Bewusstseinsarbeit/Ortweinschule: Diese Schule bringt junge begabte KünstlerInnen hervor, die abwandern. Es geht darum im Land Bewusstsein für zeitgenössische Kulturarbeit zu leisten, nötig wären von der Landesregierung ausgehende Impulse, die zeitgenössische Kunst am Land zum Thema zu machen. Bewusstseinsarbeit im ländlichen Raum. In Pischelsdorf ist Geld kulturgebunden an die Gemeinde gegangen und soll jetzt anders investiert werden. Es geht auch darum die Ressourcen der Ortweinschule mit der Kunstuni zu vernetzen. Klasnic möchte die Idee anhand einer Liste von Leuten, die sich diesbezüglich zusammensetzen im Laufe des Sommers entwickeln.

EU-Förderungen/Ansprechperson für Hilfestellung: Warum gibt es in der Stmk. Landesregierung keine Stelle, die für grenzüberschreitende EU-geförderte Projekte Hilfestellung leistet? (Eisenhut) Kultur-Wirtschaft-Tourismus steht immer im Zusammenhank (Klasnic)

Förderungen für junge bildende KünstlerInnen: Welche Förderung sieht das neue KuFöG für sie vor? Anregung wäre, einen Kulturfonds einzurichten. Initiativen für bedürftige KünstlerInnen gäbe es immer. Der „Kunst am Bau“-Förderungstopf ist jetzt zwei Jahre brach gelegen und wird jetzt forciert. Ein Prozent der Bausumme bei öffentlichen Bauten ist in Kunst zu investieren, dies wurde in den letzten zwei Jahren nicht wahrgenommen. Geplant ist jetzt ein Topf für „Kunst im öffentlichen Raum“, also auch im Straßenraum.

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