Jour Fixe mit Kulturstadtrat Christian Buchmann

Fachbeiräte, Evaluierung, Finanzielle Ressourcen. Jour Fixe mit Dr. Christian Buchmann, Kulturstadtrat der Stadt Graz, 9. März 2005, 17:00 Uhr, Das andere Theater, Orpheumgasse 11, 8020 Graz

Jour Fixe am 9. März 2005, Das andere Theater, Graz

Fachbeiräte, Evaluierung, Finanzielle Ressourcen
Jour Fixe mit Dr. Christian Buchmann, Kulturstadtrat der Stadt Graz

9. März 2005, 17:00 Uhr, Das andere Theater, Orpheumgasse 11, 8020 Graz

Zum Thema Fachbeiräte
Über den Kulturdialog wurden die Erfordernisse der verschiedenen Sparten erhoben und in die Politik kommuniziert. Die wesentlichen Forderungen der Initiativen waren Transparenz in der Evaluierung und in der Mittelvergabe. Über die Höhe und Zuteilung der Mittel entscheiden aber nicht die Fachbeiräte. Diese sollen Impulse geben und haben sich dafür jeweils unterschiedliche Vorgangsweisen verordnet, die am Kulturserver nachzulesen sind. Wieviel Mittel pro Sparte zu vergeben sind, wird dem jeweiligen Fachbeirat vor der Beratung bekannt gegeben, ebenfalls die schon vorhandenen Unterlagen übergeben. Dann gibt der Fachbeirat Empfehlungen ab. Zu 99% halte sich Buchmann im Diskurs mit der Kulturabteilung an diese Empfehlungen. Die Meinugen der Betroffenen werden einbezogen. Trotz der hohen Einsparungsvorgaben für 2005 seien die Mittel für die freie Szene gleich geblieben. Dies sei in Kooperation mit dem Kulturamt gelungen. Die Evaluierung erfolge je nach Förderzugang. (Theaterholding oder mehrjährige Förderverträge) Problem ist, dass der Fördertopf gleich geblieben ist und neu- bzw umverteilt werden muss. 2006 kommt eine neue Evaluierungsphase. – Angesprochen auf Problematik, dass Fachbeiräte unentgeltlich (und damit unverbindlich) arbeiten und als „nicht involvierte Personen“ (Bedingung zur Nominierung) mitunter den Eindruck erwecken, den zu treffenden Entscheidungen nicht gewachsen zu sein: Entgeltung der Fachbeiräte ginge auf Kosten der Produktionsförderung. Fachbeiräte werden vom Kulturbeirat Buchmanns nominiert (Kriterien: Gendergerecht, GrazerInnen, überregionale Personen) und alle 2 jahre neu nominiert. Für die kommende Nachbesetzung wäre wünschenswert, wenn die Personen auch mit Geldgebarung in größeren Dimensionen vertraut sind. – 2004 war die Systemumstellung auf das Beiratssystem, 2005 wird der Beirat auch ein Ehrenamt bleiben. Es wird aber je nach Bedarf modifiziert (zB.: Kategoriendifferenzierung wie Medienkunst/Neue Medien, Technikbeitrag für Kristallwerk, Anerkennung neuer programmatischer Zugänge wie beim Forum...)

Fördersummen/Evaluierung:
Im Gegensatz zu den großen Häusern sind die Freien nicht an einen kulturpolitischen Auftrag gebunden. Derzeit müsse ausgebadet werden, dass 20 Jahre über die Verhältnisse gewirtschaftet worden ist. Dazu kommt, dass sich die Entwicklung und die Anbieter in den letzten Jahren vermehrt haben. Die Angebote sind zahlreicher, als finanziert werden kann. Ziel ist nicht die Umverteilung, sondern Qualitätssteigerung und breiter, zielgerichteter Einsatz der Mittel. Auch wenn es subjektiv in der Fördersumme nicht spürbar ist, gebe es für einige jetzt mehrjährige Förderverträge und die Installierung der Fachbeiräte, die ehrenamtlich arbeiten, hat zur Objektivierung der Entscheidungen beigetragen.

Das andere Theater:
In Kooperation mit der Liegenschaftsverwaltung ist es gelungen, dass auch künftig die Proberäume den freien Theatergruppen mietenfrei zur Verfügung stehen werden.

1,8 Millionen finanzielle Ressourcen aus der Kulturhauptstadt-2003-GesmbH.
Aus dieser Gesellschaft sind 2004 materielle Werte (Murinsel, Marienlift, Kogler-Hauptbahnhof u.a.) und immaterielle Werte (Nutzungsrechte) übrig geblieben. Der Gemeinderat hat 2004 beschlossen, den Aufsichtsrat aufzulösen. In der Bilanz der GesmbH. waren aber noch 1,8 Millionen Euro an finanziellen Ressourcen ausgewiesen. Diese will Buchmann für das Kulturressort beanspruchen. Der Finanzrefernten sei dagegen. Es besteht Hoffnung, dass sich das ändert.

Stadtmuseum
Es besteht der kulturpolitiche Auftrag, dafür ein Profil zu erstellen. Derzeit endet die dortige Aufzeichnung der Stadtgeschichte von Graz Mitte des 19. Jahrhunderts. Es soll ein Haus der Grazer Stadtgeschichte werden. Angesprochen wurde die Problematik, dass dadurch Spielorte und nutzbare Räume verloren gehen, sowie die Monopolstellung des Joanneums ausgebaut wird. Buchmann sieht das nicht so. Er ist gemeinsam mit Stadtrat Riedler Eigentümervertreter. Das Programm macht aber Peter Pakesch.

Steirischer Herbst:

2005 bestreitet Peter Oswald. 2006 wird die Steirische Herbst Gesellschaft in eine Hallenbetriebsgesellschaft umgewandelt. Vertraglich fixiert wurde, dass der Betriebsabgang von rund 500.000 Euro zu decken sei. Der Steirische Herbst „neu“ wird die Förderungen der alten Gesellschaft abzüglich der Schulden für die alte Intendanz erhalten. Die politische Konsequenz der Finanzmisere – gibt es nicht (Ärger darüber, dass Kulturvereinsvorsitzende mit ihrem Privatvermögen haften, teilweise jahrelang Schulden zurückzahlen müssen während Peter Oswald in keiner Form zur Verantwortung gezogen wird, vielmehr die öffentliche Hand den Schaden trägt). Wie konnte es so weit kommen? „Euphorie um die List-Halle“, „Präsidiumsmitglieder waren gleichzeitig Politfunktionäre mit Entscheidungsmacht“. Politik stand vor der Alternative, durch einen Konkurs die Marke Steirischer Herbst zu schädigen oder in den sauren Apfel zu beißen und die neue Gesellschaft mit Rechtssicherheit und Finanzsicherheit auszustatten. Der Vertrag über die Halle läuft bis 2012. Finanzierung bestreitet der Finanzrefernt. Der Eindruck bleibt: Aus der Außensicht der Initiativen genießt der Steirische Herbst abrechnungstechnisch einen unerklärbaren Sonderstatus. – Da sich das Verhältnis der Einbindung von und Kooperationen mit der heimischen Kunstszene zu Ungunsten der Szene auf Eigenproduktionen des Herbstes hin verschoben hat, ergeht der Wunsch an die neue Intendanz, das heimische Schaffen stärker zu berücksichtigen. Dies sollte auch als „kulturpolitischer Auftrag“ festgeschrieben werden. Buchmann bekennt sich zu diesem Anliegen und wird dahingehend wirken.

 

Architekturstadtjahr 2008

Keinesfalls wolle man für die Stadt einen weiteren Titel erwerben. Vielmehr war die Idee schon vor zwei Jahren entstanden, eine ArchitektInnengruppe damit zu beauftragen, die aktuellen Diskurse zur Bausubstanz in Graz, zu geplanten Neubauten, zur Kommod-Diskussion etc. zu bündeln und dieser Theamatik Raum zu geben. Es werde aber nicht der einzige oder dominante Schwerpunkt sein.

Infrastruktur, Raumbedarf
Es besteht weiterhin Mangel an leistbaren Räumen für Proben, temporäre Nutzung etc. Derzeit wird Modell einer Subjektförderung geprüft: Für Proberäume stellt die Stadt einzelnen KünstlerInnen Förderungen in Höhe von xy zur Verfügung.

ppc
Es war geplant, dass dort Proberäume zur Verfügung stehen. Es wurde schlecht gewirtschaftet. Adaptierungsmöglichkeiten in Höhe von 80.000Euro/Jahr durch die Stadt gefördert. Es scheint aber, als sei dort ein Modell der Selbstverwaltung gescheitert. Auch die beteiligten Initiativen fühlen sich im Stich gelassen.

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