Identity kills. Gegen die Instrumentalisierung der Kultur für das in Europa grassierende Gespenst der Identität

Gerald Raunig Aus: Einheit Europa. Kulturrisse . Dezember 1998. "... Der Kulturentwicklungsplan dient vor allem der Entwicklung einer Linz-spezifischen kulturellen Corporate Identity...”, diese unverwechselbare Identität ”wiederum als Waffe in der zunehmenden Städtekonkurrenz im Europa der Regionen”. Der stolze Linzer Bürgermeister Dobusch bringt die Sache auf den Punkt. ... Es ist der erklärte kulturpolitische Wille der Stadt, "Kunst und Kultur als wesentliche Identitätsfaktoren der Stadt nach innen

Zwischen Gulag und shopping mall. Europäische Identität und "Osterweiterung"

Boris Buden Aus: Einheit Europa. Kulturrisse . Dezember 1998. Wenn sich heute die europäische Kultur mit dem Problem der sogenannten Osterweiterung befaßt, muß sie in erster Linie ihr Verhältnis zur Politik kritisch reflektieren. Hier wie kaum anderswo kommt ihre politische Rolle zum Vorschein, da sie - die Kultur - es ist, die in der gegenwärtigen Welt die wichtigsten Prozesse der politischen In- und/oder Exklusion entscheidend reguliert.

Kolonisiere deine Nächsten wie sie dich! Österreichs Sendung im Donauraum

Oliver Marchart Aus: Kulturkolonien. Kulturrisse . August 1998. Daß Monarchiesehnsüchte hierzulande außerordentlich gut gedeihen, verdeutlicht die Stimme des Volkes beim Eröffnungsfest der österreichischen EU-Präsidentschaft am Heldenplatz: "I bin für die EU, weil der Herr Habsburg dann Präsident ist...“ Daß derartige Retro-Romantik aber auch mit handfesten ökonomischen Interessen korreliert, zeigen Oliver Marcharts Betrachtungen zur Verkabelung Mitteleuropas. In den 80ern war die Idee Mitteleuropas von konservativen Intellektuellen -

Bella gerant alii ...

Boris Buden Aus: Kulturkolonien. Kulturrisse . August 1998. Wem die Frage nach der Rolle der Kultur bei der sogenannten "Osterweiterung Europas" heute gestellt wird, der muß zuerst diese zwei Begriffe irgendwie verbinden können. Und schon diese erste Aufgabe ist nicht einfach. Zumindest nicht im Rahmen des herrschenden politischen Diskurses. Hier scheint eine einzige Frage dominant zu sein: ob und inwieweit die neuen Kandidaten die wirtschaftlichen Voraussetzungen